Pressespiegel

Ulf Grieger/ 01.11.2019, 06:15 Uhr

Neutrebbin (MOZ) Das größte Kolonistendorf des Oderbruchs hat bislang weder eine Heimatstube noch einen Verein, der sich systematisch um die Geschichte kümmert. Diesen Mangel will nun der Verein „Oderbruchstube“ beheben. Am 16. Oktober hat er sich gegründet. Am Dienstagabend stellte er sich im Gemeindezentrum den Einwohnern vor.

Exponate erbeten

Nach vielen vergeblichen Versuchen in dieser Richtung  hatte Hartmut Horst die Initiative ergriffen. Ihm gehört das wahrscheinlich aus dem Jahre 1820 stammende Haus Wriezener Straße 1, das seit einiger Zeit leer steht. Gemeinsam mit Uwe Schiffmann, Werner Mielenz, André Riffer, Peter Schwefel, Volkhard Burde, Dirk Hausdorf und anderen, die bereits Gründungsmitglieder des Vereins sind, soll die Entwicklung des Oderbruchs am Beispiel  Neutrebbins dargestellt werden, erklärte Bürgermeister Werner Mielenz den Interessierten, zu denen auch Pfarrer Arno Leye zählte.

Hartmut Horst, der in Berlin  mehrere Kindereinrichtungen betreut und dessen Tochter Hanna in Neutrebbin aufgewachsen war, fühlt sich in starkem Maße mit dem Dorf verbunden. Er stellt dem Verein das Vorderhaus zur Verfügung, in dem sich zwei Wohnungen befanden. Sie werden von Uwe Schiffmann derzeit dafür hergerichtet, dass dort wechselnde Ausstellungen gezeigt werden können. Bereits jetzt ruft der Verein, der sich als Partner des Alter-Fritz-Vereins versteht, alle Einwohner und die mit Neutrebbin verbundenen Oderbrücher dazu auf, Exponate zur Verfügung zu stellen, sei es als Leihgabe oder als Schenkung. Dargestellt wird die Entwicklung von der Anlage des Kolonistendorfes von 1755 bis heute.

Das Interesse der Gäste der Vereinsvorstellung war groß. Arno Leye freute, dass es nun auch in Neutrebbin Ansprechpartner für historische Fragen gebe, wie es in Wuschewier, Sietzing, Altfriedland und Altbarnim bereits der Fall ist. Er informierte, dass die kirchlichen Akten im Kunersdorfer Pfarrhaus lagern. Er würde sich sehr freuen, wenn es Möglichkeiten gibt, dieses wertvolle Archiv zu digitalisieren.

Auch die Schüler des Schulzentrums Neutrebbin sollen an die Heimatkunde herangeführt werden, sobald die Oderbruchstube eingerichtet ist. Denn es gehe dem Verein vor allem auch darum, dass dort eine lebendige Erbepflege stattfindet und jugendlicher Forschergeist die bereits vorhandenen Erkenntnisse neuhinterfragt. Möglich wären Forschungsaufträge zur Familien- und Firmengeschichte der Schüler. Volkhard Burde, der studierte Journalist ist seit 1995 Neutrebbiner, begrüßte die Vereinsgründung zum jetzigen Zeitpunkt. Das zur Verfügung gestellte Gebäude befinde sich zentral im Dorf und sei gut erreichbar.

Zu den Aufgaben, denen sich der Verein stellen will, gehöre auch die Erforschung der Straßennamen, sowie eine Art Dorflehrpfad, der Besuchern Neutrebbins mit Hilfe von  Schildern über die Geschichte markanter Häuser und Höfe aufklärt.

An Vorhandenes anknüpfen

Carola Kleinert, Gemeindesekretärin Neutrebbins, verwies darauf, dass es bereits viel Material über das Dorf gibt, man also nicht bei Null anfange. Ein Großteil befinde sich auch im Privatarchiv des einstigen langjährigen Bürgermeisters Hans Werner Merkel. Der hatte selbst etliche Berichte über die Neutrebbiner Geschichte verfasst und das Buch „Neutrebbin und seine Dörfer“ von 2001 veranlasst.

Im künftigen Dorfmuseum ist Uwe Schiffmann derzeit dabei, die Bausubstanz daraufhin abzuklopfen, was dort getan werden muss. So wird es nötig sein, die Fußböden mit anderem Belag zu versehen und aus dem modernen Bad eine historische Waschküche zu machen. Gut erhalten sind die alten Stubentüren samt der kunstvollen Beschläge und Türkastenschlösser. Wunderschön sind die Eingangstüren mit Oberlichtern zur Straße und zum Hof.